
Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.
Gestern hat es bei uns richtig viel geschneit. Über Nacht ist es sehr kalt gewesen und der Schnee ist liegengeblieben. Das passiert nicht so oft in meiner Gegend. Meistens schneit es ein bisschen, dazwischen regnet es und am Ende ist alles wochenlang matschig.
Das österreichische Wort
In Österreich würde man nicht sagen, dass es matschig ist, wir würden sagen, es ist gatschig. Wir sagen zum Beispiel: „Gestern hat es geschneit und heute ist alles voll Gatsch!“ Ich finde das Wort besonders passend, weil es wie Lautmalerei ist. Wenn man in Gatsch steigt, erzeugen die Schuhe ein schmatzendes Geräusch, das klingt als würde jemand „Gatsch“ sagen.
Aber gestern war es eben nicht gatschig, sondern die Landschaft war von einer weißen Schneedecke überzogen, auch die Straßen. Das haben wir doppelt genutzt. Ich habe mit dem Auto eine Übungsfahrt am Übungsplatz mit meiner Nichte Maja gemacht und mein Sohn Leon ist mit mir über beschneite Landstraßen gefahren. Es waren wichtige Übungen, weil man bei diesen Verhältnissen sehr vorsichtig fahren muss. Beide werden ihre Führerscheinprüfung im Winter haben und da müssen sie auf alle Bodenverhältnisse vorbereitet sein.
Welche Möglichkeiten, einen Autoführerschein zu machen, gibt es in Österreich?
Da gibt es einmal die klassische Variante. Du wartest bis zu deinem siebzehnten Geburtstag und dann beginnst du mit der Ausbildung. Zuerst machst du die theoretischen Kurse in der Fahrschule. Dort lernst du alle Grundlagen, die du dann auf der Straße brauchst. Du lernst die Verkehrsregeln, die Verkehrsschilder und wie du verantwortungsbewusst und halbwegs umweltbewusst fährst. Die meisten Fahrschulen teilen die Kurse in einzelne Module ein und du musst jedes Modul einmal besuchen.
Du solltest natürlich gut aufpassen und dich konzentrieren, doch grundsätzlich reicht deine Anwesenheit, damit du dann mit den Fahrstunden beginnen darfst. Die Fahrstunden hast du mit einem Fahrlehrer, der neben dir im Auto sitzt. Er hat eigene Fußpedale, damit er eingreifen kann, falls es gefährlich wird.
Frühestens drei Monate vor deinem achtzehnten Geburtstag darfst du dann die theoretische Prüfung ablegen. Sie ist in ganz Österreich gleich und besteht aus zirka eintausendfünfhundert Multiple Choice Fragen, die du vorher üben kannst. Du musst mindestens achtzig Prozent richtig haben, damit du bestehst. Das ist nicht ganz leicht, weil eine Frage jeweils aus zwei Teilen besteht und du bekommst Teil zwei nur, wenn Teil eins richtig war. Außerdem weißt du nicht wie viele der vier Antworten richtig sind. Du musst also wirklich gut lernen, um die Prüfung zu bestehen. Ich bin sehr froh, dass das so ist. Somit kann ich davon ausgehen, dass die Menschen, die mir mit dem Auto begegnen auch wissen, was sie tun.
Wenn du dann alles erledig hast, also die Theoriekurse, die Fahrstunden und die Theorieprüfung und deinen achtzehnten Geburtstag hast, dann darfst du endlich die praktische Prüfung ablegen. Dabei musst du zuerst auf einem Übungsplatz eine definierte Abfolge von Übungen machen. Du fährst durch ein paar Stangen Slalom, dann musst du umdrehen, in eine Parklücke einparken und in eine Parkgarage rückwärts fahren. Dann fährst du zwischen zwei engen Stangen durch und schließlich musst du an einer Linie bremsen.
Diese Übungen sind immer an einem Übungsplatz bei uns im Ort mit Stangen aufgebaut. Das ist das, was ich gestern mit meiner Nichte geübt habe. Mit Schnee war es natürlich schwieriger, aber sie hat es toll gemacht! Schließlich hat sie auch schon nächste Woche ihre Führerscheinprüfung. Ich bin sicher, dass sie es schaffen wird.
Mein Sohn hat sich für eine andere Variante, den Führerschein zu machen, entschieden. Er hat schon mit fünfzehneinhalb Jahren mit der Ausbildung begonnen. Die theoretische Ausbildung läuft genau gleich ab und man macht sie mit den älteren gemeinsam. Er hat direkt am ersten Tag an dem es möglich war damit begonnen und war somit der jüngste in seinem Kurs. Er ist sich damals ein bisschen komisch vorgekommen mit den Erwachsenen gemeinsam, aber er hat es durchgezogen.
Danach geht es für die Jungen anders weiter. Leon hat nur ein paar wenige Fahrstunden in der Fahrschule mit einem Fahrlehrer gemacht. Danach ist er mit seinem Vater und mit mir insgesamt dreitausend Kilometer gefahren. Dieses System gibt es nicht in vielen Ländern. Man muss einander schon sehr vertrauen, um das hinzukriegen. Schließlich hat man als Begleitfahrer keine Bremspedale und kann nur durch reden eingreifen. Am Anfang waren wir ein paar Mal am Übungsplatz, um uns an die neue Situation zu gewöhnen und um Sicherheit zu bekommen.
Dann ging es auf die Straße. Die ersten Fahrten waren ziemlich aufregend. Wir haben uns beide sehr konzentriert und viel miteinander geredet. Ich habe mich bemüht, die Verkehrslage schon vorher gut abzuschätzen und vor Schildern, Gefahren und anderen Verkehrsteilnehmern zu warnen. Es hat wirklich gut geklappt. Leon war am Anfang sehr vorsichtig und fährt mittlerweile richtig gut. Wir haben die dreitausend Kilometer schon länger geschafft. Wir fahren aber noch weiter, damit Leon in Übung bleibt. Manchmal haben wir extra einen kleinen Ausflug gemacht, um alle Situationen zu üben. In der letzten Folge habe ich euch von unserer Fahrt in die Wiener Innenstadt erzählt.
Die Theorieprüfung hat Leon schon im Sommer gemacht. In ein paar Monaten wird er siebzehn. Dann darf er endlich seine Fahrprüfung machen. Er hat sich schon dafür angemeldet. Der Termin ist direkt an seinem Geburtstag. Das wird ein tolles Geburtstagsfest, wenn er sich selbst den Führerschein schenkt!
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