28 – Nachhaltiger Transport oder Nur nicht hudeln

Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.

Gestern sind wir mit dem Auto nach Wien gefahren. Mein Sohn Leon macht seinen Führerschein und zum Üben sind wir gemeinsam gefahren. Er ist schon mehr als dreitausend Kilometer am Land bei uns gefahren. In Wien waren wir auch schon, aber noch nie in der Innenstadt. Das wollten wir gestern üben und haben als Ziel den Christkindlmarkt am Wiener Rathausplatz gewählt. Es war eine tolle Übungsfahrt, weil sie eine durchschnittliche Fahrt nach Wien gut dargestellt hat. Mindestens die Hälfte der Strecke war Stau. Mehrere Baustellen mussten wir überwinden und schließlich mussten wir in eine teure Parkgarage fahren, weil wir keinen Parkplatz gefunden haben.

Welche nachhaltigeren Möglichkeiten des Transports gäbe es in Österreich?

An erster Stelle steht die Bahn. Wir wohnen nicht weit von einem Schnellbahnhof. Um ins Zentrum einer Stadt wie Wien zu kommen, ist die Schnellbahn eine sehr gute Option. Sie fährt in regelmäßigen Abständen mindestens jede halbe Stunde. Wie der Name schon sagt, ist sie recht schnell unterwegs und die Bahnhöfe bei denen sie stehen bleibt, sind eher weit voneinander entfernt. So kann man größere Distanzen flott überwinden. Von Schnellbahnhöfen gibt es immer viele Optionen, um weiter zu fahren.

Am beliebtesten in Wien ist die U-Bahn. Die ganze Stadt ist von einem U-Bahnnetz durchzogen. Mit der U-Bahn kommst du fast überall hin. Für die letzten paar Kilometer ist manchmal noch ein Bus oder eine Straßenbahn nötig. Damit kommst du recht langsam voran, dafür erreichst du damit auch die kleinsten Gassen und Straßen in Wien.

Dieses öffentliche Verkehrssystem funktioniert sehr gut, wenn du in die Stadt fahren willst Derzeit wird die Schnellbahn und die Bahn allgemein weiter ausgebaut. Die Strecke wird verbreitert für Hochgeschwindigkeitszüge. In meinem Ort zum Beispiel ist entlang der gesamten Bahnstrecke Baustelle. Es sind schon Unterführungen unter der Bahnstrecke gebaut worden. Derzeit wird alles vorbereitet für den Neubau der Eisenbahnbrücke. Das ist ein sehr aufwändiges Unterfangen, da die Brücke dann für ein ganzes Jahr nicht befahrbar ist. Nur für Fußgänger wird es eine Ersatzbrücke aus Holz geben, die derzeit errichtet wird. Autofahrer und Radfahrer müssen großräumig ausweichen. Besonders schwierig könnte es für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwägen werden, die sich im Ort fortbewegen möchten.

Nicht so gut funktioniert das öffentliche Verkehrssystem, wenn deine Reiserichtung quer zum Verkehrsstrom geht. Wenn du zum Beispiel am Rand von Wien von einem Ort zum Nachbarort willst, dann wird das ein schwieriges Unterfangen. Oft muss man dann nach Wien fahren und danach wieder nach draußen in die gewünschte Richtung. So bist du im schlechtesten Fall für eine Strecke für die du mit dem Auto fünfzehn Minuten benötigst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eineinhalb Stunden unterwegs.

Eine Alternative wäre vielleicht ein Elektroauto. Doch ist ein Elektroauto wirklich eine nachhaltige Alternative zu einem klassischen Auto? Die Antwort dazu würde den Umfang von diesem Podcast definitiv sprengen. Ich bin mir da nicht so ganz sicher. Es gibt zwei Punkte, die mich speziell irritieren. Einmal sind das die Akkus, die keine sehr lange Lebenszeit haben. Die Rohstoffe dafür werden oft unter sehr schlechten Bedingungen für die Arbeiter und für die Umwelt gewonnen. Das zweite ist der Strom, der für Elektrofahrzeuge benötigt wird. Der muss auch irgendwo und irgendwie produziert werden.

Egal ob klassisches Auto oder Elektroauto gibt es auch die Möglichkeit des Carsharings. Wenn du normalerweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährst und nur gelegentlich ein Auto benutzen möchtest, ist Carsharing eine gute Option für dich. Es gibt verschiedene Anbieter und du kannst über eine App ein Auto reservieren und benutzen. Das ist natürlich nachhaltiger, als wenn du ein eigenes Fahrzeug vor der Türe stehen hast, das du nur selten verwendest.

Am Anfang habe ich gesagt, dass die Bahn die nachhaltigste Art zu reisen ist. Das stimmt so nicht ganz. Für kürzere Wege wäre es auf jeden Fall noch deutlich besser, das Fahrrad zu nehmen. Das ist nicht nur nachhaltig, sonder gleichzeitig gut für deine Gesundheit. Ich denke, Österreich liegt bei der Fahrradfreundlichkeit in Europa im Mittelfeld. In den größeren Städten gibt es zahlreiche Fahrradwege und in den kleineren Orten kann man ganz gut auf den Straßen fahren. Ich war jedoch heuer in Amsterdam auf Urlaub und mit den Möglichkeiten dort ist Österreich leider nicht vergleichbar.

Das österreichische Wort „hudeln“

Egal mit welchem Transportmittel du unterwegs bist und vor allem am Fahrrad ist es immer gut, wenn du nicht „hudelst“. „Hudeln“ bedeutet ungeduldig und hektisch zu handeln oder sich zu beeilen. Es kann sich auch auf rücksichtsloses Verhalten beziehen, vor allem im Bereich des Verkehrs. Wenn zum Beispiel jemand überholt, obwohl vor ihm ein Stau ist, dann kann man sagen: „Das Hudeln war riskant und hat ihm gar nichts gebracht.“

In Österreich darf man übrigens mit fünfzehneinhalb Jahren mit der Führerscheinausbildung für das Auto beginnen und fährt dann eineinhalb Jahre mit den Eltern als Begleiter. Wie das genau geht erzähle ich dir ein anderes Mal.

Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere den Podcast, dann versäumst du keine Ausgabe mehr. Ich freu mich auch über eine gute Bewertung. Bis zum nächsten Mal!


Hinterlasse einen Kommentar