24 – Der Wiener Prater oder Keine Wiener Würstchen in Wien

Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.

Gestern hat uns ein Freund aus der Schweiz geschrieben. Er hat uns nach Tipps für seinen Kollegen gefragt, der mit seinem Kind nach Wien kommt. Da ist uns natürlich gleich der Prater eingefallen.

Der Wiener Prater ist ein riesiges Erholungsgebiet mitten in Wien. Er besteht aus öffentlichen Parkflächen und aus einem Vergnügungspark. Insgesamt ist er fast doppelt so groß wie der Central Park in New York und viermal so groß wie der Hyde Park in London. In Folge vierzehn habe ich dir von der Donauinsel und ihren Stränden mitten in Wien erzählt. Du siehst also einmal mehr wie grün diese Stadt ist.

Die Empfehlung für den Kollegen mit seinem Kind hat sich natürlich auf den Vergnügungspark bezogen. Wenn man nur diesen Teil vom Prater meint, dann sagen die Wiener auch „Wurstelprater“. Das ist ein Spitzname und bezieht sich darauf, dass auch das Essen immer schon eine wichtige Rolle im Prater hatte. Es gab Stände und Lokale in denen früher hauptsächlich Würstchen verkauft wurden.

Die Österreichische Besonderheit

Die dünnen Würstchen in Hot Dogs werden in vielen Ländern „Wiener Würstchen“ genannt. Nur nicht in Österreich. Dort sagt man „Frankfurter“ nach der Stadt Frankfurt in Deutschland. In Österreich gibt es allerdings auch eine Wurst mit dem Namen „Wiener Wurst“. Die bekommst du aber nur im Supermarkt an der Wursttheke. Es handelt sich dabei um eine dicke Stange Wurst, die dünn aufgeschnitten wird und aufs Brot oder in eine Semmel gelegt wird. Wenn du also zum Beispiel im Prater beim Würstelstand ein klassisches Hotdog willst, dann musst du ein Hotdog mit Frankfurter bestellen.

Das bekannteste Gasthaus im Prater ist das „Schweizerhaus“. Das gibt es schon seit über hundertfünfzig Jahren. Sicher wird sich der Kollege aus der Schweiz über den Namen wundern. Die Speisen und Getränke, die man dort bekommt, haben mit der Schweiz nämlich gar nichts zu tun. Das „Schweizerhaus“ ist berühmt für seine knusprige und würzige Schweinestelze. Fast jeder der dort isst, wählt diese Speise. Dazu trinken fast alle Gäste ein Bier und zwar ein Budweiser Bier. Ganz eine andere Richtung also als die Schweiz. Budweiser Bier aus Tschechien gepaart mit Bayrischer Biergartenstimmung. Wieso also der Name Schweizerhaus?

Die Bezeichnung leitet sich von der Architektur und dem Stil des Gebäudes ab. Das Restaurant hat eine charakteristische Schweizer Chalet-Optik mit Holzfassade und Balkonen, die an traditionelle Schweizer Alpenhäuser erinnern. Dieser Stil war in der Zeit seiner Gründung in Europa populär. Eine internationale Mischung in einem einzigen Gebäude vereinigt. Eigentlich also typisch wienerisch, weil in Wien treffen immer schon verschiedenste Kulturen aufeinander.

Um den echten Höhepunkt vom Prater zu finden musst du nicht lange suchen. Du siehst ihn schon von weitem und wenn du oben bist siehst du ganz schön weit. Was ich meine ist das Riesenrad.

Das Wiener Riesenrad ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Wiens und eine der beliebtesten Attraktionen im Wiener Prater. Es wurde Achtzehnsiebenundneunzig anlässlich der Wiener Weltausstellung erbaut und erreicht eine Höhe von fast fünfundsechzig Metern. Das Riesenrad besteht aus fünfzehn Gondeln, die eine atemberaubende Aussicht auf Wien bieten. Es wurde auch in berühmten Filmen wie “Der Dritte Mann” gezeigt.

Neben dem Riesenrad gibt es im Prater jede Menge Fahrgeschäfte. Wenn du den Nervenkitzel magst, kannst du mit einer der abenteuerlichen Hochschaubahnen fahren. Ich persönlich mag diese wilden Attraktionen nicht so sehr. Mir wird ganz schwindlig und ich habe keinen Spaß dabei. Ich bin nur froh, wenn die Fahrt wieder aus ist.

Ich mag ganz gern das Spiegelkabinett. Das ist ein Labyrinth mit Glaswänden und Spiegeln durch das man irrt und den Ausgang sucht. Oft denkt man, dass man schon am Ziel ist, doch dann ist doch noch eine Glaswand dazwischen und man muss wieder zurück und weiter suchen. Von draußen kann man den herumirrenden Leuten zuschauen und das ist auch recht lustig.

Ursprünglich war das Gebiet des heutigen Prater ein kaiserliches Jagdgebiet. Schon damals hat die Prater Hauptallee als breiter Weg durch den Wald geführt. Sie ist vier Komma vier Kilometer lang. Am Ende war ein schönes rundes Gebäude in dem sich der Kaiser gerne mit seinen Jagdfreunden getroffen hat. Weil sie dort oft Spaß hatten und es auch lustig war, hat das Gebäude den Namen „Lusthaus“ bekommen. All das gibt es heute noch. So kannst auch du mit Familie oder Freunden über die Prater Hauptallee spazieren und dich dabei wie der Kaiser fühlen. Sogar ins Lusthaus kannst du gehen und dich dort bedienen lassen. Das ist heute nämlich ein ausgezeichnetes Restaurant. Schon seit siebzehnsechsundsechzig ist es übrigens möglich, dort einen Spaziergang zu machen, auch wenn du nicht der Kaiser bist. Damals wurden die kaiserlichen Jagdgründe für die Öffentlichkeit geöffnet und dienen der Bevölkerung als Erholungsgebiet.

Hoffentlich verbringt der Besucher aus der Schweiz mit seinem Kind eine schöne Zeit in Wien. Im Prater haben sie sicher viel Spaß. Ein anderer wunderbarer Ausflug mit oder ohne Kind ist Schönbrunn mit seinem tollen Zoo. Davon erzähle ich dir das nächste Mal.

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