32 – Kulturschock in Österreich oder Yukis Geschichte

Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.

Gestern habe ich mir gemeinsam mit meinem Sohn Leon überlegt, dass unser nächster Urlaub nach Japan gehen soll. Die letzten Jahre waren wir jeweils in Österreich oder im nahen Europa unterwegs. Jetzt haben wir Lust, eine ganz andere Kultur kennenzulernen.

Dann habe ich mir überlegt, wie es wohl für Menschen aus anderen Kulturen ist, die zum ersten Mal nach Österreich kommen. Was könnte für sie ungewöhnlich oder irritierend sein?

So erzähle ich dir heute die Geschichte von Yuki:

Yuki ist eine junge Designerin aus Tokio. Sie hat die Gelegenheit bekommen, an einem internationalen Designwettbewerb in Salzburg teilzunehmen. Es ist ihr erster Besuch in Österreich. Sie war neugierig darauf, die kulturellen Unterschiede zu entdecken.

Yuki ist am Flughafen Salzburg gelandet. Sie ist sofort von der malerischen Umgebung beeindruckt. Während sie auf ihr Gepäck wartet, fällt ihr die ruhige Stimmung am kleinen Flughafen auf. Im Vergleich zu den geschäftigen Flughäfen in Tokio wirkt alles entspannt und leise.

Auf dem Weg zum Hotel bewundert Yuki den grünen Charakter der Stadt. Es gibt viele Bäume und Parks. Sowohl in Japan als auch in Österreich ist die Disziplin im Straßenverkehr sehr groß. Das heißt, rote Ampeln werden respektiert und die Verkehrsteilnehmer nehmen aufeinander Rücksicht. Doch in Tokio ist der Verkehr viel dichter. Es ist viel mehr los auf den Straßen und insgesamt ist es lauter.

Beim Check-in im Hotel ist Yuki verwundert, weil sie keine Hausschuhe vorfindet. In Japan wäre es undenkbar, ein Hotelzimmer mit Straßenschuhen zu betreten. In Häusern und Wohnungen ist es in beiden Ländern üblich, nur mit Socken oder Hausschuhen zu gehen. Ich persönlich wundere mich immer bei Hollywoodfilmen, dass alle Leute daheim ihre Schuhe tragen. Da sind Frauen mit Stöckelschuhen unterwegs und Jugendliche legen ihre Füße mit Sneakern auf die Couch. Gibt es wirklich Länder in denen das so ist? Schreibe mir doch bitte an leichterdeutschlernen@gmail.com, wie das mit den Schuhen bei dir zu Hause ist.

Kommen wir zurück zu Yuki und ihrem ersten Tag in Österreich. Sie ist schon im Hotel und bekommt langsam Hunger. Also geht sie ins klassisch österreichische Hotelrestaurant. Sie ist überrascht, dass sie fast nur Fleisch bestellen kann. Weil sie schon viel davon gehört hat, entscheidet sie sich für ein Schnitzel. Das ist riesig und sie kann es nicht aufessen. Dass es dazu Pommes oder Kartoffelsalat gibt, hat sie schon erwartet. Trotzdem ist ein Essen ohne Reis für sie ungewohnt.

Am Abend will Yuki noch ein bisschen die für sie neue Stadt erkunden. Es ist sehr irritierend für sie, dass schon alle Geschäfte geschlossen haben. Jetzt, wo die Menschen aus den Büros kommen und Zeit für ein bisschen Shopping hätten, ist das nicht mehr möglich. Yuki fragt sich, wie die Leute das mit dem Einkaufen wohl machen. Dabei weiß sie nicht, dass die Arbeitszeiten in Österreich meistens kürzer sind als in Japan. Deswegen geht es sich trotzdem aus, in der freien Zeit, seine Besorgungen zu machen.

Tokio ist eine Stadt, die nie schläft. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man alles besorgen und bekommen. Auch in den Vororten und Wohngebieten gibt es viele Lokale und Geschäfte, die vierundzwanzig Stunden geöffnet haben. So etwas findet sich in Salzburg nicht. Yuki muss sich an den anderen Tagesablauf gewöhnen. Gleichzeitig schätzt sie die Ruhe und Entspannung. 

Am nächsten Tag startet Yukis Designerwettbewerb. Dort findet auch ein Workshop statt an dem sie teilnimmt. Sie arbeitet mit österreichischen Kolleginnen zusammen. Gemeinsam diskutieren sie Ideen für ein Projekt.

Schon bald stellt Yuki fest, dass die Art, wie die Österreicher ihre Meinungen ausdrücken, sehr direkt ist. Während der Gruppendiskussion gibt ein österreichischer Kollege offen seine Meinung zu Yukis Ideen. Er stellt kritische Fragen und wirkt dabei sehr direkt. In Japan ist man es gewohnt, Kritik eher höflich und indirekt zu äußern. Yuki fühlt sich zuerst unsicher und fragt sich, ob der Kollege unhöflich ist.

Sie spricht mit ihren österreichischen Freunden darüber und erfährt, dass die direkte Art der Kommunikation in Österreich normal ist. Die Menschen wollen offen und ehrlich ihre Meinung teilen, um die besten Lösungen zu finden. Das ist in ihrer Kultur ein Zeichen von Effizienz und Offenheit.

Yuki ist überrascht, dass die direkte Kritik nicht persönlich gemeint ist. Sie versteht, dass es einfach eine andere Art des Austauschs ist. Mit diesem Wissen kann sie besser damit umgehen und nimmt die direkte Art der Österreicher nicht mehr persönlich.

Yuki ist fasziniert von den kulturellen Unterschieden und freut sich sehr darauf, noch mehr über die österreichische Kultur zu erfahren.

Ich bin schon jetzt neugierig, wie es uns dann in Japan gehen wird. Ich werde euch davon berichten, aber es dauert noch ein paar Monate.

Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere den Podcast, dann versäumst du keine Ausgabe mehr. Ich freu mich auch über eine gute Bewertung. Bis zum nächsten Mal!


Hinterlasse einen Kommentar