31 – Schülerin in Österreich oder Das österreichische Schulsystem

Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.

Gestern ist plötzlich ein Bus durch unsere Straße gefahren. Ich wohne in einer sehr ruhigen Gegend. Normalerweise fährt nur gelegentlich ein Auto bei uns vorbei. Jetzt gibt es eine Baustelle in meinem Ort. Die Brücke über die Eisenbahn wird neu gebaut. Deswegen wird für fast ein Jahr der ganze Verkehr durch unsere Straße geleitet.

Vor allem in der Früh fahren viele Busse durch unseren Ort. Es sind hauptsächlich Schulbusse. Sie bringen die Schülerinnen und Schüler in ihre Schule. Schon die meisten der Kleinen fahren mit dem Bus in die Schule.

In Österreich muss man im September nach dem sechsten Geburtstag mit der Schule beginnen. Üblicherweise beginnt man in der ersten Klasse Volksschule. Diese dauert vier Jahre. Davor haben die Kinder ein Gespräch mit einer Lehrerin. Sie beurteilt, ob das Kind schon in die Volksschule gehen kann. Man sagt dann, das Kind ist schulreif. So wie ein Apfel, der reif zum Essen ist. Wenn das Kind noch nicht schulreif ist, dann kommt es in eine Vorschulklasse. Die Vorschule ist eine Mischung aus Kindergarten und Schule. Dort werden die Kinder speziell nach ihren Bedürfnissen gefördert und auf die Schule vorbereitet.

Nach den vier Jahren Volksschule gibt es zwei Schularten zur Auswahl. Die Schüler mit besonders guten Noten gehen ins Gymnasium. Die anderen gehen in die Mittelschule. Beide Schularten dauern wieder vier Jahre. Die vier Jahre Gymnasium heißen Unterstufe. Nach der Unterstufe oder der Mittelschule sind also acht Schuljahre erledigt. Die Schulpflicht beträgt aber neun Jahre. Nur, wer in der Vorschule war oder ein Schuljahr wiederholen musste, hat die Schulpflicht dann schon abgeschlossen. Alle anderen müssen noch mindestens ein Jahr anschließen oder die Schule weiter besuchen für eine längere Schulausbildung.

Dafür gibt es nun zahlreiche Möglichkeiten. Im Gymnasium gibt es eine Oberstufe. Diese dauert auch wieder vier Jahre und schließt mit der Matura ab.

Das österreichische Wort

Der offizielle Name lautet Reifeprüfung, doch im täglichen Sprachgebrauch wird nur Matura gesagt. In Deutschland wird dafür das Wort Abitur verwendet. Die Matura ist eine Abschlussprüfung am Ende der Schulzeit. Sie gibt die Berechtigung zu einem Hochschulstudium. Das Wort Matura bedeutet gereift, so wie das englische Wort „mature“. Man beginnt seine schulische Ausbildung also mit der Schulreife und beendet sie, wenn man es bis zum Ende schafft, mit der Hochschulreife.

Ich habe dir schon gesagt, dass es nach dem achten Schuljahr zahlreiche Möglichkeiten gibt. Der zweite große Block an Möglichkeiten sind die berufsbildenden Schulen. Wie der Name schon sagt, sind das Schulen in denen man am Ende nicht nur die Matura hat, sonder auch eine oder mehrere abgeschlossene Berufsausbildungen. Dafür dauert die Ausbildung um ein Jahr länger, also fünf Jahre. Insgesamt besuchst du die Schule also im besten Fall dreizehn Jahre bis zur Matura in einer berufsbildenden höheren Schule.

Weil es jede Menge Berufe gibt, gibt es auch jede Menge berufsbildende Schulen. Eine Gruppe sind die technischen Schulen. Sie heißen HTL. Das steht für Höhere Technische Lehranstalt. Dort kann man so gut wie jeden technischen Beruf lernen. Von Baumeister über Computerfachfrau bis zu Holztechniker ist alles und noch viel mehr möglich.

Die nächste Gruppe sind die Schulen für wirtschaftliche Berufe. Sie werden HLW abgekürzt, was für Höhere Lehranstalt für Wirtschaftliche Berufe steht. Auch dort gibt es wieder viele Spezialisierungen. Im Prinzip lernt man aber Betriebswirtschaft, also wie man eine Firma führt.

Die rein wirtschaftlichen Schulen dieses Typs nennen sich Handelsakademie oder abgekürzt HAK.

In anderen Schulen lernen die Schüler mehr über Tourismus oder über Marketing. Weil es so ein großes Angebot an verschiedenen Schulen gibt, bieten alle einen Tag der offenen Tür an. An diesem Tag können alle Interessierten mit oder ohne Eltern vorbeikommen und alles besichtigen. Man kann in einzelne Klassenzimmer gehen und beim Unterricht zusehen. Natürlich möchte sich an diesem Tag die Schule von ihrer besten Seite zeigen. Es gibt Experimente und Projekte, die so sonst nicht jeden Tag stattfinden.

Einmal im Jahr gibt es an vielen höheren Schulen einen besonders lustigen Tag. Nach der Matura organisieren die Maturanten den Maturastreich. Dafür schlafen sie meistens schon im Schulgebäude und bereiten jede Menge Witziges vor. Die Schüler und Lehrer werden zum Beispiel in der Früh mit Wasser bespritzt und müssen durch eine Art Parcours das Gebäude betreten. In den Klassenzimmern gibt es oft viele Luftballons. Von den Lehrern werden lustige Bilder aufgehängt mit Sprüchen, die sie im Laufe der Jahre gesagt haben. Wichtig ist dabei, dass die Aktionen respektvoll sind.

An die Schulbusse in unserer Straße werde ich mich sicher schnell gewöhnen. Und wenn die Umbauarbeiten dann erledigt sind, werden wir die Ruhe in unserer Gegend wieder umso mehr genießen!

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