
Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.
Gestern habe ich am Heimweg von meiner Arbeit Kürbisse gekauft. Ich war dafür nicht in einem Supermarkt, sondern direkt bei einem Bauern. Der Bauer bietet im Eingangsbereich von seinem Hof Kürbisse, Kartoffel und andere Produkte an, die auf seinen Feldern gewachsen sind. Man kann sich selbst bedienen und das Geld einfach in eine Kasse werfen. Somit hat der Bauer keine Kosten für Verkaufspersonal und die meisten Leute sind ehrlich und bezahlen den korrekten Betrag. Sollte doch einmal jemand ein paar Kürbisse mitnehmen, ist der Verlust nicht groß.
Das ist üblich bei uns im Weinviertel. Je nach Saison kann man so die verschiedensten landwirtschaftlichen Produkte besonders frisch und direkt vom Produzenten kaufen. Mein Kürbisbauer hat noch dazu einen Biobetrieb. Ein Biobetrieb ist ein Bauernhof, der ohne chemische Insektenmittel und Dünger arbeitet. Stattdessen werden natürliche Methoden verwendet, um gesunde Lebensmittel zu produzieren.
Sich im eigenen Ort direkt beim Biobauern Lebensmittel zu holen und damit selbst zu kochen ist die wohl nachhaltigste Möglichkeit, sich zu ernähren. Diese Möglichkeit hat natürlich nicht jeder. Trotzdem wäre es ein wichtiges Ziel, sich möglichst nachhaltig zu ernähren.
Was bedeutet „nachhaltig“ eigentlich? Ganz allgemein bedeutet es, dass man mit der Welt so umgeht, dass sie für die nächsten Generationen noch gut bewohnbar ist. „Nachhaltig“ bedeutet in Bezug auf Ernährung, Essen so zu wählen und zuzubereiten, dass es gut für die Umwelt ist und auch in Zukunft genug für alle da ist. Das erreicht man zum Beispiel durch das Essen von regionalen und saisonalen Lebensmitteln. Dadurch werden Transportwege verkürzt. Man sollte auch Lebensmittelabfälle minimieren, indem man nur das kauft, was man wirklich braucht. Ziel ist es, gesundes Essen zu genießen und gleichzeitig die Natur zu schonen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass man sich am nachhaltigsten ernährt, wenn man biologisch angebaute Produkte isst, die nicht in Fabriken verändert wurden und möglichst in der Nähe des Wohnortes gewachsen sind.
Welche Möglichkeiten gibt es nun, sich in Österreich nachhaltig zu ernähren?
Eine tolle Sache sind regionale Bauernmärkte. Die gibt es in vielen Ortschaften. Es kommen Landwirte aus der Gegend und verkaufen ihre eigenen Produkte. Das ist einerseits sehr nachhaltig und andererseits ein gutes Geschäft für die Bauern. Sie bekommen so viel fairere Preise als wenn sie sich den Gewinn mit Händlern teilen müssen.
Ein weiterer Punkt ist Fleisch in der Ernährung. Vegetarische Ernährung ist nachhaltiger, weil sie weniger Ressourcen wie Wasser und Land benötigt. Die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln erzeugt auch weniger Treibhausgase im Vergleich zur Fleischproduktion. Durch vegetarische Ernährung tragen Menschen dazu bei, Umweltauswirkungen zu verringern und fördern eine nachhaltige Lebensmittelproduktion.
Dass die Produktion von biologisch hergestellten Lebensmitteln wesentlich dazu beiträgt, dass unsere Erde bewohnbar bleibt, ist klar. Die eingesetzten Chemikalien in der konventionellen Landwirtschaft schwächen unsere Umwelt an unzähligen Stellen. Schon die Produktion der Mittel ist problematisch. Oft wird dabei das Wasser verunreinigt und Menschen müssen unter schlechten Arbeitsbedingungen tätig sein. Dass die Verwendung von Mitteln, welche Insekten, Bakterien, Pilze und andere Lebensformen töten keine gute Idee für ein nachhaltiges Leben ist, liegt auf der Hand.
Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Lebensmittelverschwendung. Ich selbst kaufe in den letzten Jahren meistens beim Discounter ein. Dort ist die Auswahl zwar auch riesig, aber es kommt mir vor, als würde es nur so viel Angebot geben wie auch verkauft wird. Wenn ich mal wieder zu einem klassischen Supermarkt gehe, bin ich überwältigt von dem Überfluss und der Fülle. Es gibt so unendlich viele frische Produkte von denen ganz sicher am Abend unglaubliche Mengen weggeworfen werden.
Die österreichische Besonderheit
Immerhin gibt es die „Tafel Österreich“. Das ist eine Organisation, die hilft, Lebensmittel vor der Verschwendung zu retten. Supermärkte und andere Partner spenden überschüssige, aber noch essbare Lebensmittel. Diese werden dann an Menschen weitergegeben, die Schwierigkeiten haben, genug Essen zu bekommen. Freiwillige arbeiten bei der Tafel, um die Lebensmittel zu sammeln und zu verteilen. So hilft die Tafel Österreich Bedürftigen und reduziert gleichzeitig Lebensmittelverschwendung.
Eine weitere Sache finde ich auch sehr cool. Das sind die verschiedenen Challenges über Social Media, die sich mit dem Thema befassen. Immer wieder gibt es Aktionen bei denen viele Leute mitmachen. Sie haben Namen wie „Eat Up Challenge“ oder „Aufbrauchchallenge“. Das Ziel von allen ist, sich aus dem Vorhandenen zu Hause zu ernähren und nur ein paar frische Zutaten dazu zu kaufen. Man findet online viele Rezepte zu dem Thema. „Food Upcycling“ ist so ein Begriff, den man googeln kann und tolle Speisen aus einfachen Grundzutaten findet. Oft macht eine spannende oder ungewöhnliche Kombination das Besondere aus, oft ein anderes Gewürz als üblich. Ich werde mir in nächster Zeit ein paar solche Rezepte raussuchen und unsere Vorratsschränke plündern.
Schließlich gibt es noch für Leute, die keinen eigenen Garten haben, die Möglichkeit, sich an einem Gemeinschaftsgarten zu beteiligen. Einzelne Bauern in meiner Gegend stellen dafür Teile eines Feldes zur Verfügung zu einem geringen Pachtpreis. Seine eigenen Lebensmittel zu produzieren ist die wahrscheinlich nachhaltigste Art, seine Ernährung zu gestalten. Zu dem Thema fallen mir sofort meine Großeltern ein, die leider schon verstorben sind. Sie hatten sechs Kinder und einen großen Garten.
Es war in dieser Zeit für sie ganz selbstverständlich, dass sie zum Ernähren der Familie ihr eigenes Gemüse und Kartoffel im Garten angepflanzt haben. Sie haben das so geschickt gemacht und den Boden so sorgfältig genutzt, dass die ganze Familie hauptsächlich davon essen konnte. Im Herbst wurde alles gewissenhaft für den Winter eingelagert oder eingekocht.
Zusätzlich ist meine Oma mit der Familie in den Wald gegangen und hat Waldhimbeeren gepflückt aus denen sie eine köstliche Marmelade gemacht hat. Es war das ganze Jahr genug davon da. Wenn ich daran denke, wie ich sie zum Frühstück gegessen habe – natürlich zu einem selbst gebackenen Brot oder Striezel – sind das wunderbare Erinnerungen. Das Brot wurde übrigens im Holzofen der Nachbarin gebacken. Den hat sie einmal in der Woche angeheizt und mehrere Familien konnten ihren vorbereiteten Teig dort backen.
Fleisch hat es bei den Großeltern nur selten gegeben, das war etwas Besonderes und man hat es auch nur in kleiner Menge gegessen, weil es sehr teuer war. Meine Großeltern haben auch nie Speisereste weggeworfen. Ist zum Beispiel Kartoffelpürree übergeblieben, wurde es am nächsten Tag zu köstlichen Kartoffelpuffern verarbeitet. Wenn es wirklich einmal einen kleinen Speiserest gegeben hat, dann wurde er an die Hühner im Garten verfüttert und so in Eier umgewandelt
Wenn ich so nachdenke, haben meine Großeltern das nachhaltigste Leben geführt, das in einer modernen Zivilisation möglich ist. Dass sie in ihrem gesamten Leben auch nie ein Flugzeug benutzt haben, hat dazu sicher beigetragen. Über dieses Thema reden wir in der nächsten Folge.
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