
Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.
Gestern habe ich mich um meine Gesundheit gekümmert. Ich bin in ein Labor gegangen und habe meine wichtigsten Blutwerte kontrollieren lassen.
Dafür benötigt man eine Überweisung von einer Ärztin oder von einem Arzt. Diese muss man im Labor gemeinsam mit der eigenen e-card vorzeigen. Dafür bezahlt man weder beim Arzt noch im Labor etwas. Man hat sozusagen schon im Vorhinein dafür gezahlt im Rahmen einer Krankenversicherung. Das Geld dafür und für die Unfallversicherung wird jedes Monat vom Gehalt abgezogen. Darüber habe ich dir schon in Folge dreizehn erzählt. Wenn du sie noch nicht kennst, hör sie dir gleich nachher an!
Mit diesen gesetzlichen Versicherungen sind eigentlich alle Kosten gedeckt. Man bekommt eine e-card, die wie eine Kreditkarte aussieht und kann damit zu jeder Ärztin in Österreich gehen, die einen sogenannten „Kassenvertrag“ hat. Darüber solltest du dich immer vorher informieren. In diesem Fall kann die Ärztin direkt mit deiner Krankenkasse abrechnen und du bezahlst nichts zusätzlich. Aber Vorsicht, das gilt nur, so lange es sich um eine Leistung handelt, die die Krankenkasse übernimmt.
Vor allem alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur oder Homöopathie werden nicht bezahlt und du musst sie mit der Ärztin direkt abrechnen. Auch viele Leistungen beim Zahnarzt sind nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung gedeckt. Wenn du zum Beispiel eine spezielle Füllung der Zähne wünscht oder eine Zahnspange brauchst, musst du meistens selbst dafür bezahlen. Dein Arzt informiert dich aber darüber und erklärt dir üblicherweise kostenlose Alternativen.
Viele Leute haben eine zusätzliche Gesundheitsversicherung. Darum müssen sie sich selbst kümmern und jedes Monat die Gebühr bezahlen. Je nachdem welche Versicherung du wählst, werden verschiedene zusätzliche medizinische Leistungen bezahlt. Oft beinhaltet eine solche Versicherung auch, dass du zu einem Arzt ohne Kassenvertrag gehen kannst und das bezahlt wird.
In den letzten Jahren wird das „Wahlarztsystem“ immer beliebter. Ein Wahlarzt hat keinen direkten Vertrag mit der gesetzlichen Krankenkasse. Du musst die Rechnung dort also einmal selbst bezahlen. Diese kannst du dann aber bei deiner Krankenkasse einreichen und bekommst zumindest einen Teil davon zurück. Konkret bekommst du achtzig Prozent von dem Tarif zurück, den deine Krankenkasse dem Kassenarzt gegeben hätte. Den Rest bezahlt oft die private Zusatzversicherung.
Die Vorteile von einer Wahlärztin sind, dass du oft schneller einen Termin bekommst und die Ärztin sich mehr Zeit nehmen kann. Dafür solltest du dich vorher erkundigen, wieviel du bezahlen musst. Die Preise sind nicht einheitlich geregelt, sondern jeder Arzt kann bei diesem System so viel verlangen wie er will.
Wenn es dir sehr schlecht geht, kannst du natürlich immer in ein Krankenhaus fahren. Du kannst auch mit der Telefonnummer einhundertvierundvierzig, also eins, vier, vier, die Rettung rufen, die dich dann in ein Krankenhaus bringt. Wenn du eine Zusatzversicherung hast, die das bezahlt, bekommst du ein Bett in der sogenannten „Sonderklasse“. Das ist normalerweise ein Einzelzimmer und du wirst meistens vom Chef persönlich betreut. Dieser bekommt auch extra Geld dafür bezahlt von deiner Versicherung am Ende des Monats.
Das Krankenhaus teilt sich zusätzlich in die Stationen und Ambulanzen. Auf den Stationen sind Betten und du kommst dort hin, wenn du im Krankenhaus bleiben musst. Wenn du nur untersucht und vielleicht behandelt wirst und danach wieder nach Hause gehen kannst, wirst du in eine Ambulanz geschickt. Dort kannst du also nicht übernachten. Jede Abteilung hat üblicherweise eine Station und eine Ambulanz. Es gibt also zum Beispiel eine Kinderstation und eine Kinderambulanz, eine chirurgische Station und eine chirurgische Ambulanz.
Für einfache Kontrollen oder Vorsorgeuntersuchungen kannst du nicht selbst ins Krankenhaus gehen. Dafür brauchst du eine Überweisung von einer Ärztin oder einem Arzt, genau wie beim Labor. Nur wenn also ein Arzt in einer Ordination der Meinung ist, dass ein medizinisches Thema im Krankenhaus weiter untersucht werden sollte, bekommst du eine Überweisung für die entsprechende Ambulanz. Das soll verhindert, dass zu viele Menschen ohne medizinischen Grund in die spezialisierten Spitalsambulanzen gehen.
Das hört sich alles recht kompliziert an. Weil es tatsächlich auch recht kompliziert ist, gibt es noch das sogenannte Hausarztsystem. Das bedeutet, dass jeder Mensch in Österreich üblicherweise einen Hausarzt oder eine Hausärztin hat. Das heißt nicht, dass er oder sie zu dir nach Hause kommt. Es ist einfach ein Arzt für Allgemeinmedizin, der dein erster Ansprechpartner sein sollte. Er kennt dich und deine Krankengeschichte im Idealfall seit deiner Kindheit oder zumindest schon einige Jahre lang. Er weiß Bescheid über deine Allergien, Medikamente und kennt vielleicht sogar deine Familiengeschichte. Er oder sie kann am besten beurteilen was zu tun ist. Ob er dich selbst behandeln kann, ob du zu einem Facharzt, in ein Labor, zu einer Spezialuntersuchung oder ins Krankenhaus gehen solltest.
Dieses System bietet dir eine besonders gute und persönliche Betreuung. Außerdem kann es Kosten und Aufregungen für unnötige Untersuchungen sparen.
Das österreichische Wort „Der Krankenstand“
Wenn man krank oder verletzt ist und nicht zur Arbeit kann, ist es auch die Aufgabe des Hausarztes, dir einen „Krankenstand zu schreiben“ und dich „in den Krankenstand zu schreiben“. Der offizielle Ausdruck wäre eine „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“, aber das sagt niemand. Wenn dich also ein Freund fragt: „Bist du im Krankenstand?“ oder dein Arzt fragt dich vielleicht sogar :“Brauchen Sie einen Krankenstand?“, dann weißt du was sie meinen.
Ein aktuelles Problem ist aber, dass sich immer weniger Ärztinnen und Ärzte finden, die diesen wichtigen Job machen möchten. Das liegt unter anderem daran, dass bei guter Arbeit sehr viele Patientinnen kommen und die Arbeitstage richtig lang sind. Zusätzlich muss man manchmal an Wochenenden und in der Nacht arbeiten. So gibt es immer weniger Hauärztinnen und die vorhandenen müssen immer mehr Patientinnen betreuen.
Insgesamt hat Österreich aber ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem auf sehr hohem Niveau und jeder Mensch bekommt die nötige medizinische Behandlung, egal ob er arm oder reich ist.
Meine Blutwerte waren übrigens in Ordnung. Das freut mich natürlich sehr!
Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere den Podcast, dann versäumst du keine Ausgabe mehr. Ich freu mich auch über eine gute Bewertung. Bis zum nächsten Mal!
