15 – Das Museumsquartier oder Junge Kultur

Egon Schiele – Selbstbildnis mit Lampionzweig

Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.

Gestern war wunderbar warmes Wetter. Noch am Abend konnte man gemütlich draußen sitzen. Deswegen habe ich mich spontan mit ein paar Freunden verabredet und wir haben uns im Museumsquartier in einem Lokal getroffen.

Das Museumsquartier befindet sich inmitten von Wien. Es beherbergt nicht nur renommierte Museen, sondern auch Theater, Veranstaltungsorte und zahlreiche gastronomische Angebote.

Es ist auch ein Ort, um Freunde zu treffen und ein Platz mit einer faszinierenden Geschichte. Im achtzehnten Jahrhundert war genau dort ein kaiserlicher Hofstall. Das bedeutet, dass die Pferde der kaiserlichen Familie dort eingestellt und versorgt wurden. Auch die Pferdekutschen waren in den Hofstallungen untergebracht.

Ende des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Idee entstanden, dieses Areal in ein Kulturzentrum umzuwandeln. Seitdem hat sich das Museumsquartier in ein pulsierendes Zentrum für Kunst und Kultur entwickelt.

Eines der beeindruckendsten Merkmale des Museumsquartiers ist sein Innenhof, der oft auch als „MQ“ abgekürzt wird. Der Hof ist ein lebendiger Treffpunkt und ein Ort der Begegnung für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt. Hier kann man sich in einem der gemütlichen Cafés oder Restaurants entspannen, während man das bunte Treiben um sich herum beobachtet. Der Hof ist auch mit vielen Sitz- und Liegemöglichkeiten gestaltet. So kann man sich dort auch gut mit Freunden treffen, wenn man kein Geld in einem Lokal ausgeben möchte.

Das österreichische Wort

Ein Wort, das oft im Wiener Alltag verwendet wird, ist „Gemma“. Das Wort „Gemma“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für „Gehen wir“. In Wien hört man dieses Wort häufig, wenn man sich mit Freunden verabredet oder gemeinsam etwas unternehmen möchte. Also, wenn euch jemand fragt: „Gemma ins Museumsquartier?“, bedeutet das so viel wie: „Gehen wir ins Museumsquartier?“

In dem Innenhof finden jeweils zur Jahreszeit passende Veranstaltungen statt. Im Winter gibt es einen Christkindlmarkt, also einen Weihnachtsmarkt. In der warmen Jahreszeit werden dort verschiedene Film- und Literaturfestivals, Kunstmärkte, Foodfestivals und Tanzveranstaltungen organisiert. Das ganze Areal ist sechzigtausend Quadratmeter groß. Das entspricht fast zehn Fußballfeldern und bietet somit ausreichend Platz für tolle Angebote.

Ein weiteres Highlight des Museumsquartiers sind natürlich die Museen selbst. Eines der herausragenden ist das Leopold Museum. Es beherbergt eine beeindruckende Sammlung österreichischer Kunst des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Hier kannst du Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen berühmter Künstler wie Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka entdecken. Das Leopold Museum bietet die Möglichkeit, in die faszinierende Welt der österreichischen Kunst einzutauchen.

Ein besonders berühmtes Werk, dass du dort im dritten Stock bewundern kannst, ist das „Selbstbildnis mit Lampionfrüchten“ von Egon Schiele. Der Künstler hat um die Jahrhundertwende zwischen dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert gelebt und wurde nur achtundzwanzig Jahre alt. Er ist an der spanischen Grippe gestorben, nur drei Tage nach seiner Frau Edith. In seiner kurzen Lebenszeit hat er sich intensiv mit der Darstellung des eigenen Gesichts, des eigenen Körpers und der eigenen Persönlichkeit beschäftigt.

Dieses Bild ist ein faszinierendes Beispiel für seine expressiven und unkonventionellen Selbstportraits. Schiele war bekannt für seine intensiven, fast verzerrten Darstellungen des menschlichen Körpers und seiner persönlichen Emotionen.

Er zeigt sich selbst mit einem ernsten Gesichtsausdruck und einem nachdenklichen Blick. Er wirkt gleichzeitig zerbrechlich und selbstbewusst. Seine langen, dünnen Hände sind kunstvoll abgebildet und betonen seine künstlerische Feinfühligkeit. Der Lampionzweig, den er in der Hand hält ist ein Symbol für Vergänglichkeit und Erneuerung, sowie für die Unberechenbarkeit der Zeit.

Die Farben sind bis auf die Pflanze gedämpft, in Erdtönen, die eine gewisse Traurigkeit ausstrahlen. Durch die dunklen Konturen werden die kantigen Formen betont. Diese waren charakteristisch für Egons Stil.

Die Komposition ist sehr ausgewogen und jede Linie hat ein Gegenstück. So zeigt zum Beispiel der Kopf nach rechts während der Blick nach links geht. Insgesamt scheint das Selbstbildnis eine Darstellung von Egons Gedanken und von seinem Inneren zu sein.

Ein weiteres aufregendes Museum im Museumsquartier in das MUMOK, das Museum Modernen Kunst. Es zeigt eine vielfältige Sammlung zeitgenössischer Kunstwerke. Von abstrakter Kunst bis hin zu experimentellen Installationen, Videos und Fotografien bietet das MUMOK eine große Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksformen. Es ist ein Ort, der die Grenzen der Kunst erforscht und neue Perspektiven aufzeigt.

Wenn du dich für Architektur interessierst, solltest du das Architekturzentrum Wien im Museumsquartier besuchen. Hier kannst du Ausstellungen über die Entwicklung der Architektur, städtebauliche Projekte und innovative Designkonzepte erkunden. Es ist ein Ort, an dem du mehr über die beeindruckende Architekturgeschichte Wiens und die aktuellen Trends in der Architektur erfahren kannst.

Ein absolutes Highlight für Kinder im Museumsquartier ist das ZOOM Kindermuseum. Hier dreht sich alles um interaktives Lernen, Entdecken und Spielen für Kinder im Alter von null bis vierzehn Jahren. Das ZOOM bietet verschiedene Ausstellungen, Workshops und interaktive Räume, in denen Kinder ihre Kreativität entfalten können. Ob es darum geht, ein Kunstwerk zu gestalten, spannende Experimente durchzuführen oder eine eigene Geschichte zu erfinden – im ZOOM Kindermuseum ist für jeden etwas dabei.

Wenn ich das nächste Mal in der Gegend bin, möchte ich mir das Selbstbildnis von Egon Schiele im Original anschauen. Ich finde es beeindruckend, dass ein Künstler in seinem Werk weiterlebt.

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