
Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.
Gestern habe ich ein Plakat für das Donauinselfest gesehen. Das ist ein riesiges Open-Air-Festival mitten in Wien, das jedes Jahr Ende Juni stattfindet. Es dauert drei Tage und ist kostenlos für alle. Das Festival zieht jeweils hunderttausende Besucher an und bietet ein abwechslungsreiches Musikprogramm. Auf den größten Bühnen, wo die Stars auftreten, muss man schon lange vorher dort sein, um einen guten Platz zu bekommen. Natürlich gibt es auch ein großes kulinarisches Angebot, also Speisen und Getränke.
Heuer findet das Musikfestival zum vierzigsten Mal statt. Einer der Hauptacts wird RAF Camora sein. Er ist vor genau zwanzig Jahren schon beim Donauinselfest aufgetreten, wie er selbst gegenüber der Presse sagt: „vor genau vier Leuten“. Das wird diesmal wohl anders sein. Zu seinen Konzerten kommen bis zu vierzehntausend Menschen.
Aber warum hat Wien eigentlich diese unglaubliche Besonderheit, nämlich die Donauinsel mit den längsten Stadtstränden der Welt? Ganze zweiundvierzig Kilometer lang sind die Strände der Insel und des gegenüberliegenden Ufers am Festland. Zum Vergleich, South Beach in Miami ist nur zweieinhalb Kilometer lang und der wunderbare Stadtstrand in Barcelona gar nur ein Komma zwei Kilometer. Ok, das Meer fehlt vielleicht ein bisschen und der Horizont ist nicht ganz so weit entfernt wie bei anderen Stränden in Städten.
Aber zurück zur Frage, wie dieses Erholungsgebiet mitten in der Stadt entstanden ist. Die Donau hatte früher regelmäßig Hochwasser. Große Gebiete wurden dadurch überschwemmt und es ist ein erheblicher Schaden entstanden. Deswegen wurde Neunzehnhundertzweiundsiebzig mit dem Bau der Donauinsel begonnen. Es wurde auf der Strecke von einundzwanzig Kilometern ein zweites Flussbett gegraben, das parallel zur Donau verläuft. Die beiden Flüsse sind durch die Donauinsel getrennt.
Normalerweise fließt das Wasser nur durch die Donau und die Schleusen zur Neuen Donau sind geschlossen. Wenn der Schnee in den Bergen der Alpen schmilzt oder es ungewöhnlich viel regnet, sammelt sich aus dem Westen des Landes zu viel Wasser und Experten können berechnen, dass Wien ein Hochwasser erwartet. Dann werden die Schleusen zur Neuen Donau geöffnet und das Wasser verteilt sich. So kann der Wasserstand um mehrere Meter gesenkt werden. Dadurch hat es seit die Neue Donau existiert kein Hochwasser mit Schaden mehr in Wien gegeben.
Ganz nebenbei ist ein riesiges Erholungsgebiet mitten in der Stadt entstanden. So ein Hochwasser kommt nicht so oft vor, deswegen ist das Wasser der Neuen Donau normalerweise ohne Strömung, angenehm warm und in Trinkwasserqualität, ideal zum Baden also. Ich selbst war als Kind regelmäßig mit meinen Eltern dort. Damals war diese Bademöglichkeit noch ganz neu. Ich hatte eine Zeit lang sogar ein eigenes Windsurfbrett. Das haben wir am Wochenende auf das Auto geschnürt und sind damit zur Donauinsel gefahren. Wir haben uns einen Wurstsalat eingepackt und den ganzen Tag dort verbracht.
Im Laufe der Zeit sind immer mehr Freizeitaktivitäten dazugekommen, So gibt es mittlerweile jede Menge Gastronomie. Es gibt fixe Lokale und fahrende Verkäufer, die Getränke, kleine Speisen und Eis anbieten. Die geraden und ebenen Asphaltwege sind bei Radfahrern und Inlineskatern sehr beliebt.
Spannend ist der Wasserskilift. Dort kann man Ski ausleihen, eine Stunden- oder Tageskarte kaufen und dann versuchen, seine Runden zu drehen. Ich habe das nie ausprobiert, aber es ist angeblich nicht einfach und sehr anstrengend. Aufregend ist auch der Kletterpark, wo man in schwindeligen Höhen mit Klettergurt und Seil seinen Mut beweisen kann.
Wer es gemütlicher mag, kann sich ein Tretboot oder ein Ruderboot ausleihen und damit über das Wasser gleiten. Mit dem Elektroboot muss man sich gar nicht anstrengen.
Sehr beliebt sind auch die Grillplätze auf der Donauinsel. Sie sind öffentlich und kostenlos. Man muss nur rechtzeitig einen Platz reservieren. Das geht online, telefonisch oder beim Amt der Stadtgärten im zwanzigsten Wiener Gemeindebezirk. An Wochenenden in den Sommermonaten sind die Plätze oft schon wochenlang vorher ausgebucht. Man sollte also langfristig planen, wenn man dort feiern mag. Die Kohle und das Fleisch muss man natürlich mitbringen und selbstverständlich muss man danach alles wieder sauber verlassen.
Der österreichische Spruch
„Da fließt noch viel Wasser die Donau hinunter.“
Das sagt man, wenn man meint, dass es noch lange dauern wird bis etwas erledigt ist oder passiert. Wenn man zum Beispiel ein Projekt plant und sagen will, dass es noch lange dauert bis es abgeschlossen ist, kann man sagen: „Da fließt noch viel Wasser die Donau hinunter bis wir fertig sind.“
Früher war ich regelmäßig beim Donauinselfest. Mein letzter Besuch ist aber schon viele Jahre her. Damals wurde es von Jahr zu Jahr beliebter und es sind immer mehr Menschen hingegangen. Einmal war es dann so, dass wir kaum noch von der Stelle gekommen sind und die Getränke- und Essensstände waren hoffnungslos überfüllt. Im nächsten Jahr sind wir dann noch einmal hingegangen, aber nicht mehr am Abend zu den Konzerten, sondern nur zu Mittag. Da war noch weniger los, aber es gab halt auch noch nicht viel Programm. Vielleicht versuche ich es heuer wieder einmal mit einem Besuch beim Donauinselfest. Auf jeden Fall mag ich aber wieder mindestens einen Sommertag mit Baden und Wurstsalat essen auf der Wiener Insel verbringen, ganz so wie früher, als ich ein Kind war.
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