
Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.
Gestern hat mir eine Freundin per WhatsApp den Link zu einem Artikel aus der Zeitung „Der Standard“ geschickt mit dem Titel „Pflanzen „schreien“, wenn es ihnen schlecht geht“. Darin wird von einer Studie an Tomatenpflanzen berichtet, die Geräusche machen, vor allem, wenn es ihnen schlecht geht. Es sind Ultraschalltöne, die wir zwar nicht hören können, andere Lebewesen und wahrscheinlich auch Pflanzen aber schon. Wenn man die Töne für das menschliche Ohr hörbar macht, klingen sie so:
Das finde ich unglaublich faszinierend! Die Forscher vermuten, dass die Geräusche zur Kommunikation dienen und andere Lebewesen warnen können. Kritiker meinen, dass es sich dabei nur um physikalische Effekte handelt, die in den Pflanzenzellen entstehen und die zum Beispiel bei Wassermangel verstärkt werden. Ich glaube lieber daran, dass die Pflanzen uns etwas erzählen wollen und bin gleich in den Garten gegangen und habe ein bisschen mit dem Salat geplaudert beim Gießen.
Das österreichische Wort „plaudern“:
Plaudern verwendet man um zu sagen, dass man sich angenehm und ungezwungen unterhält. So kann man zum Beispiel zu einer Freundin sagen: „Treffen wir uns wieder mal zum Plaudern!“ Wenn man meint, dass jemand etwas „ausgeplaudert“ hat, dann hat er ein Geheimnis verraten.
Ob sie nun miteinander reden oder nicht, Pflanzen gibt es auf jeden Fall viele in Österreich und sie werden von den Bauern gehegt und gepflegt. Meine Heimat, das Marchfeld im Osten von Österreich, gilt als die Kornkammer des Landes. Damit meint man, dass dort viel Getreide, das ja aus Körnern besteht, wächst. Doch auch anderes gedeiht im Marchfeld mit seinem recht warmen Klima gut, zum Beispiel Zwiebeln und Kartoffeln oder Erdäpfel, wie man in Österreich sagt. Den Begriff habe ich in Folge eins erklärt. Im Frühling sind Spargel und Erdbeeren besonders beliebt. Raps ist eine Pflanze aus der ein hochwertiges Öl gepresst wird. Er ist genauso gelb wie die schönen Sonnenblumen oder die Maiskörner, die auch zur Ölgewinnung verwendet werden. Im Herbst sind dann die Zuckerrüben reif. Sie sind sehr süß, werden aber nicht als Rübe gegessen, sondern in der Zuckerfabrik zu Zucker verarbeitet. Es gibt noch jede Menge andere Pflanzen, die von den Marchfeldbauern kultiviert werden, hier wächst vieles gut.
Die ebenen Felder können mit großen Maschinen bewirtschaftet werden und die tägliche Arbeit ist ohne moderne Technik kaum möglich. Es gibt jedoch auch Tätigkeiten, die noch immer von menschlichen Händen erledigt werden müssen. Dazu gehören das Stechen von Spargel oder das Ernten von Erdbeeren. Da die menschliche Arbeitszeit sehr teuer ist, sind diese Produkte auch deutlich teurer als die Produkte, die rein maschinell bearbeitet werden können wie Getreide oder Kartoffel. Die warmen Temperaturen und der viele Wind, von dem ich in Folge acht erzählt habe, führen dazu, dass der Boden oft zu trocken für die Pflanzen ist. So ist ein wesentlicher Teil der Arbeit eines Marchfeldbauerns die Bewässerung. Ich war damals in der Schule mit der Tochter eines Landwirten in der Klasse. Ich erinnere mich, dass sie immer wieder vom Helfen beim Bewässern erzählt hat. Die ganze Familie musste arbeiten, um die großen Metallrohre zu verlegen, die vom Brunnen ausgehend das Wasser zu allen Regnern leiten. Die Rohre müssen dann jeweils weiter getragen und neu verlegt werden und das manchmal jeden Tag. Heute haben viele Landwirte schon große Schlauchanlagen, die einfacher zu bedienen sind, aber auch diese lassen sich nicht fix installieren, weil sie bei der Bodenbearbeitung kaputt gehen und stören würden.
In den westlicheren Landesteilen, wo man keine so großen Ebenen findet, gibt es ganz andere Arbeitsbedingungen. Besonders auf den Bergen der Alpen leben Bergbauern, die seit Generationen gelernt haben, mit den schwierigen Bedingungen umzugehen. Dort gibt es nicht die Möglichkeit, große Felder anzulegen. Stattdessen werden die natürlich vorkommenden Bergwiesen mit allen Kräutern und verschiedenen Pflanzen als Futter und Auslauf für Tiere genutzt. Dort werden vor allem Milchkühe gehalten. Die Bergbauern verarbeiten teilweise die Milch selbst weiter und machen davon Käse und Butter. Um Futter für die Tiere für die kalte Jahreszeit zu haben, mähen sie die Wiesen und trocknen das Gras zu Heu. Diese Arbeit müssen sie an besonders steilen Hängen auch heute noch ganz von Hand mit einer Sense machen. Das Gras bleibt dann liegen und muss regelmäßig gewendet werden bis es ganz trocken ist. Dafür muss der Bauer die Natur und seinen Berg gut kennen, weil er diese Arbeit nur erledigen kann, wenn es ein paar Tage trocken ist. Maschinen kommen in diesen Höhen kaum zum Einsatz. Die Tiere brauchen das ganze Jahr über jeden einzelnen Tag Betreuung, auch an Wochenenden und Feiertagen. Viele Menschen können sich so eine intensive Arbeit heute gar nicht mehr vorstellen. Eine alte Zeichentrickserie, die von Kindern erzählt, die in den Bergen beim Großvater aufwachsen, ist „Heidi“. Sie spielt zwar in der Schweiz, könnte aber genauso gut in Österreich stattfinden. Sie zeigt den damaligen Alltag der Kinder auf einem Bergbauernhof mit spannenden Geschichten. Ich habe diese Serie als Kind geliebt.
Die Bauern jeder Region haben also ganz unterschiedliche Herausforderungen. Ich bin sicher, sie verstehen ihre Pflanzen und Tiere auch ganz ohne Worte.
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