
Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.
Gestern habe ich erfahren, dass es in Wien seit einigen Monaten eine Ausstellung über Mozart gibt. Sie befindet sich genau dort, wo Mozart verstorben ist, in der Kärntnerstraße im ersten Bezirk. Sie heißt „Mythos Mozart“ und ist eine Multimediashow. Der künstlerische Leiter der Ausstellung sagt: „Mythos Mozart lädt uns ein, Mozart auf andere Art zu erleben und für ein junges, auch unerfahrenes Publikum zugänglich zu machen.“
Wolfgang Amadeus Mozart wurde Siebzehnhundertsechsundfünfzig in Salzburg geboren. Bei seiner Geburt hatte er bereits sechs Geschwister. Sein Vater Leopold war Komponist und Geigenspieler. Dadurch war Wolfgang schon immer von Musik umgeben. Sein außergewöhnliches musikalisches Talent zeigte sich schon sehr früh und wurde von seinem Vater intensiv gefördert. So kam es, dass er bereits mit fünf Jahren sein erstes Konzert gab. Er spielte Klavierstücke und Improvisationen, die die Zuschauer begeisterten. Die Presse war voll des Lobes für den jungen Mozart und viele Beobachter waren erstaunt über sein Talent. Schon mit sechs Jahren hat er mit dem Komponieren begonnen und auch das ist ihm gleich sehr gut gelungen. Bald hat er auch an Wettbewerben teilgenommen. Dort musste man zum Beispiel ein Musikstück komponieren während man zur Ablenkung auf einem wackeligen Brett stand. Auch solche Aufgaben konnte er meistern.
Seine Schwester Nannerl war ebenfalls ein musikalisches Wunderkind. Gemeinsam haben sie ausgedehnte Konzertreisen durch Europa unternommen. Egal wo sie hingekommen sind war das Publikum fasziniert.
Besonders beeindruckend war Mozarts Fähigkeit, Musik aus dem Gedächtnis zu spielen. Es wird gesagt, dass er bei einem Besuch im Vatikan die Musik der Sixtinischen Kapelle gehört hatte und sie dann perfekt auf dem Klavier spielen konnte. Um das zu schaffen, muss Mozart ein absolutes Gehör und ein perfektes Gedächtnis gehabt haben.
Sogar der damalige Kaiser von Österreich, Joseph der Zweite, war ein großer Fan von Mozarts Musik und er besuchte ihn oft in seinem Haus. Die beiden waren befreundet und spielten gerne gemeinsam eine Partie Billard. Sogar bei solchen Gelegenheiten hatte Mozart ein Notenblatt dabei und zwischendurch hat er immer wieder ein paar Noten aufgeschrieben.
Bei all diesem Erfolg würde man denken, dass Mozart ein tolles Leben hatte und reich war. Er war aber im Umgang mit Geld nicht annähernd so geschickt wie im Umgang mit seinen Instrumenten. Sein Lebensstil war sehr teuer wegen hoher Ausgaben für Kleidung, Essen, Wohnen und Reisen. So hat er sein Geld schnell ausgegeben und er musste sich darum kümmern, dass wieder welches nachkommt. Er hatte nämlich keine Anstellung und somit keine fixen Einnahmen. Beim Verhandeln von Verträgen erreichte er meist auch keine guten Ergebnisse. Deswegen hat er nur einen geringen Anteil aus den Einkünften seiner Konzerte und Veröffentlichungen bekommen.
Auch privat hatte er viele Schwierigkeiten. Nach einem angeblich turbulenten Liebesleben in der Jugend heiratete er für damalige Zeiten mit sechsundzwanzig Jahren erst recht spät Constanze Weber. Gemeinsam haben sie sechs Kinder bekommen von denen nur zwei das Säuglingsalter überlebt haben.
Seine eigene Gesundheit war leider auch nicht sehr stabil. Er hat Rheuma, Verdauungsbeschwerden und mehrere Lungenentzündungen gehabt. Mozarts psychischer Zustand wird von Experten oft diskutiert. Man geht davon aus, dass er Zeiten besonderer Kreativität und Inspiration hatte und Zeiten, die man heute wohl als depressive Phase benennen würde. In Briefen hat er von „dunklen Gedanken“ und „schwarzen Wolken“, die ihn quälen, geschrieben. Es ist jedoch auch möglich, dass es sich bei diesen Formulierungen um künstlerische Ausdrucksformen und Ausprägungen seiner Genialität gehandelt hat.
Richtig genießen konnte Wolfgang ein gutes Essen. Er liebte besonders die französische Küche und schrieb einmal in einem Brief, dass das Essen in Paris das beste von ganz Europa sei. Er hat aber allgemein gerne Neues probiert, mochte Fisch, Fleisch und Gemüse und hat dazu ein landestypisches Getränk genossen. So hat er in Österreich besonders gerne einen Riesling, also einen Wein oder in Prag ein Bier getrunken.
Er hatte auch eine große Vorliebe für Süßes und zwar besonders für Schokolade und für Marzipan.
Die österreichische Spezialität:
Einhundert Jahre nach Mozarts Tod wollte der bekannte Konditor Paul Fürst aus Salzburg eine Praline kreieren, die diese Zutaten vereint und das Musikgenie ehren sollte. So entwickelte er die Mozartkugel, die aus einem Kern aus Marzipan, umhüllt von Nougat und Schokolade besteht. Die Kugeln wurden von Hand hergestellt und waren in eine silberblaue Verpackung mit einem Bild Mozarts gewickelt. Heute werden Kugeln in diesem Stil von vielen Herstellern produziert und sind sehr beliebt, vor allem bei Touristen und als kleines Geschenk.
Leider ist Mozart nur fünfunddreißig Jahre alt geworden. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt, auf jeden Fall hatte er am Ende Fieber und einen Hautausschlag. Ob die Ursache Viren, Bakterien oder doch eine Quecksilbervergiftung war, wusste man damals nicht. Später haben verschiedene Experten versucht, die Todesursache mit modernen Methoden anhand von originalen Haarlocken herauszufinden, doch es gab kein eindeutiges Ergebnis.
Noch heute werden Mozarts Werke geschätzt und gerne gehört. Etwa sechshundertsechsundzwanzig Opern, Sinfonien, Konzerte und Messen sind erhalten und werden regelmäßig in den besten Konzerthäusern der Welt gespielt.
Ich denke, ich werde mir die neue Ausstellung auf meine Liste setzen, für Dinge, die man an einem Regentag in Wien machen kann. Ich bin schon neugierig, wie sie mir gefällt.
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