4 – Golf oder Mein perfekter Tag

Hallo, ich bin Julia. Ich erzähle dir von meinem Leben in Österreich. Den Text zum Mitlesen findest du auf leichterdeutschlernen.com.

Gestern war ich endlich wieder Golf spielen. Mein Mann Jan und ich haben uns gleich in der Früh auf den Weg gemacht zu einem Golfplatz in der Nähe. Die Sonne hat schon geschienen, doch es war noch ziemlich windig und kühl. Zum Glück wurde es immer wärmer und mit jedem Schlag konnten wir das Spiel, das Wetter und die Umgebung mehr genießen.

Ich liebe es, Golf zu spielen! Vor vier Jahren habe ich damit begonnen und schon bald wurde es meine liebste Freizeitbeschäftigung. Wenn ich einen Golfplatz betrete, fühle ich mich, als wäre ich auf Urlaub. Das satte Grün der Landschaft und die Ruhe gemeinsam mit der körperlichen Bewegung und der Konzentration vor jedem Schlag sind für mich der ideale Mix für meinen perfekten Tag.

Beim Golf Spielen geht es darum, einen zirka vier Zentimeter kleinen Ball über Bahnen bis zu einer Länge von ungefähr fünfhundert Metern mit möglichst wenig Schlägen in einem Loch zu versenken. Um das zu schaffen, hat man eine Auswahl von verschiedenen Schlägern mit. Bis zu vierzehn Schläger darf man laut Regeln in seiner Tasche mitnehmen. Jeder Schläger ist für eine spezielle Distanz besonders gut geeignet. Der erste Schlag wird Abschlag genannt. Für diesen darf man die Bedingungen verbessern. Man steckt ein Stäbchen mit dem Namen „Tee“ in den Boden und legt den Ball oben auf eine kleine Plattform. Das nennt man „aufteen“. So kommt man besonders gut an den Ball heran. Dann nimmt man den größten und längsten Schläger und versucht, den Ball möglichst weit nach vorne zu schlagen. Gute Spieler schaffen mit diesem ersten Schlag mehr als zweihundert Meter, Profis sogar dreihundert.

Ich freue mich sehr, wenn mein Ball einhundertsiebzig Meter fliegt. Um das zu schaffen, muss ich aber den Rückenwind ausnutzen oder auf einer Bahn stehen, die bergab geht.

Die nächsten Schläge fallen dann kürzer aus und es geht immer mehr darum, präzise zu zielen. Schließlich ist das Loch, das man am Ende treffen muss nur knappe elf Zentimeter groß. Das Loch befindet sich auf einer besonders kurz gemähten Rasenfläche. Diese wird „Grün“ genannt. Einmal am Grün angekommen, verwendet man nur noch einen Schläger, den Putter. Ab hier lässt man den Ball mit jedem Schlag nur noch rollen, ohne dass er vom Boden abhebt bis er schließlich im Loch verschwindet. Manchmal braucht man dafür nur noch einen wenige Zentimeter langen Schlag. Ein solcher Minischlag zählt gleich viel wie ein dreihundert Meter langer Abschlag. Das kann besonders ärgerlich sein. Es ist aber wichtig, sich dadurch oder durch einen Fehler nicht von der Konzentration auf den nächsten Schlag ablenken zu lassen, sonst wird kein gutes Spiel gelingen.

Bei jeder Bahn gibt es eine Vorgabe, wieviel Schläge man idealerweise benötigt. So gibt es drei Gruppen von Bahnen. Die kürzesten werden Par Drei genannt. Dort strebt ein guter Spieler an, den Ball mit drei Schlägen ins Loch zu befördern. Nach dem gleichen System spricht man von Par Vier und von Par Fünf Bahnen oder Löchern.

Manchmal gelingt es sogar, einen Schlag weniger zu brauchen. Für Hobbyspieler ist das ein tolles Ereignis und in Österreich ist es üblich, gleich oder nach der Runde alle Mitspieler auf ein Getränk einzuladen. Das ist ein nicht ganz so teures Unterfangen, weil eine Gruppe aus ein bis vier Spielern besteht. Aufwendiger wird das, wenn der sehr seltene Fall eintritt, dass der Ball mit einem einzigen Schlag den Weg ins Loch findet. Man nennt das „Hole in one“ und zumindest bei einem Turnier wird erwartet, dass man danach allen Leuten, die im Restaurant sitzen, ein Getränk bezahlt. Das kann ganz schön teuer werden. Man kann eigens dafür sogar eine Versicherung abschließen, die diese Kosten übernimmt. Mir ist noch nie ein „Hole in one“ gelungen und ich war auch noch nie bei einem dabei. Übrigens gibt es am Golfplatz in Österreich kein „Sie“, man ist immer per „du“, auch wenn man sich nicht kennt.

Warum ich Golf auch als einen sehr sympathischen Sport empfinde ist, dass man auch als Anfänger mit dem üblichen Zählsystem schöne Erfolge haben kann. Je nach eigenem Können bekommt man im Hobbybereich einfach ein bis drei Schläge pro Loch zusätzlich als Vorgabe. So hat man ein persönliches realistisches Ziel, das man schaffen kann. Wenn man bei einem Turnier gut spielt, kann man sich freuen. Für das nächste Turnier wird die zusätzliche Vorgabe allerdings neu berechnet und so wird sie im Laufe der Jahre meistens weniger. Dieses System nennt man „Handicap“. Umso höher das persönliche Handicap, umso mehr Schläge darfst du brauchen, um dein persönliches Ziel zu erreichen. Grundsätzlich will sich aber jeder Spieler verbessern und freut sich, wenn das Handicap niedriger wird. Ich finde, es ist ein sehr ausgeklügeltes System dank dessen man mit jeder Spielstärke an Turnieren teilnehmen kann und persönliche Erfolge feiern kann.

Du siehst schon, dass es für viele Begriffe im Golfsport keine deutschen Namen gibt, sondern es üblich ist, die englischen Ausdrücke zu verwenden. Der Grund dafür ist, dass Golf in England und Schottland erfunden wurde. Ursprünglich hat man leere Küstenabschnitte, die aus Gras und Sand bestehen und die für Landwirtschaft oder andere Nutzung nicht geeignet waren, der Bevölkerung zur Verwendung überlassen. Bald hatten einfallsreiche Menschen die Idee, kleine Löcher als Ziel zu graben und Bälle mit Holzstäben dort hinein zu befördern. Die Bälle waren damals zum Beispiel aus aufgewickeltem Leder mit oder ohne Kern aus Holz. Die Schläger waren lange Zeit auch noch aus Holz. Der Name „Holz“ wird auch noch heute für eine bestimmte Art von Schlägern verwendet, obwohl sie schon lange aus Hightech Materialien gemacht werden.

So liegt auch der älteste Golfplatz der Welt in Schottland, in St. Andrews. Dort wird seit sage und schreibe sechshundert Jahren Golf gespielt.

In Österreich gibt es zirka einhundertsechzig Golfplätze. Auf fünfzig davon habe ich schon gespielt und ich freue mich auf jeden weiteren, den ich kennenlernen werde. Gestern war jedenfalls ein großartiger Golftag. Es ist immer wärmer und der Wind ruhiger geworden. Weil gerade Frühling ist, beginnt die Natur zu erwachen. Einzelne Bäume blühen schon und viele Vögel zwitschern nach dem ruhigeren Winter wieder. Das alles untermalt meinen entspannenden Golftag. Zusätzlich habe ich für meine Verhältnisse super gespielt, so wurde es zu meinem perfekten Tag.

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